Studie

EY-Consulting: Warum jetzt die Zeit ist, den Einsatz humanoider Roboter vorzubereiten

15-10-2025: Eine Untersuchung über das rasante Wachstum, technologische Treiber wie VLA-Modelle und die strategische Bedeutung für Unternehmen.

Die Geschwindigkeit, mit der sich die humanoide Robotik entwickelt, wird oft unterschätzt. Ein prägnantes Beispiel lieferte der Beijing-Halbmarathon im Frühjahr 2025, bei dem rund 20 humanoide Roboter an den Start gingen. Während einige Modelle noch mit Balanceproblemen kämpften, erreichte der Sieger „Tiangong Ultra“ nach nur zwei Stunden und 40 Minuten das Ziel. Dieser Erfolg verdeutlicht, dass die Ära, in der Maschinen den Menschen in physischen Aufgaben einholen, unmittelbar bevorsteht.

Analysten prognostizieren, dass bereits im laufenden Jahr etwa 18.000 humanoide Roboter in Prototyp- und Testphasen im Einsatz sein werden, wobei perspektivisch Millionen von Einheiten weltweit erwartet werden.

1. Abkehr von der klassischen Industrie-Robotik

Der entscheidende Unterschied zu herkömmlichen Industrierobotern liegt in der Flexibilität der Einsatzumgebung. Klassische Systeme agieren in hochgradig strukturierten, kontrollierten Bereichen. Humanoide Roboter hingegen sind darauf ausgelegt, in dynamischen und unstrukturierten Kontexten zu arbeiten.

  • Physical AI und Foundation Models: Dank interdisziplinärer Fortschritte in der KI können Roboter heute kontextabhängige Informationen interpretieren und eigenständig Entscheidungen treffen.
  • Multimodale VLA-Architekturen: Sogenannte Vision-Language-Action-Modelle ermöglichen es den Maschinen, Text, Bild und Sensordaten simultan zu verarbeiten, was ihre Interaktionsfähigkeit signifikant über menschliche Niveaus hebt.
  • Dexterität: Die zunehmende manuelle Geschicklichkeit erlaubt es Systemen, Aufgaben zu übernehmen, die weit über standardisierte Bewegungsabläufe hinausgehen.

2. Strategische Treiber: Fachkräftemangel und Produktivität

Die Notwendigkeit für den Einsatz humanoider Systeme ergibt sich primär aus dem demografischen Wandel. In Deutschland wächst die Fachkräftelücke bis 2027 voraussichtlich auf 728.000 Arbeitskräfte an.

  • Entlastung des Personals: Roboter übernehmen repetitive, gefährliche oder unhygienische Aufgaben, sodass sich menschliche Fachkräfte anspruchsvolleren, strategischen Fragestellungen widmen können.
  • Wettbewerbsvorteil: Unternehmen, die frühzeitig Expertise aufbauen und Infrastrukturen anpassen, können sich entscheidende Effizienzvorteile sichern. Pilotprojekte wie bei BMW in Spartanburg zeigen bereits heute den Weg in die industrielle Praxis.

3. Herausforderungen bei der Implementierung

Trotz der technologischen Reife stehen Unternehmen vor erheblichen Hürden, die eine frühzeitige Planung erfordern:

  • Investitionskosten: Die Hardware stellt oft nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten dar. Erhebliche Aufwendungen fließen in die Modernisierung der Infrastruktur, Cyber-Security und das Change Management.
  • Regulatorik und Sicherheit: Aktuell ist die kontinuierliche Interaktion mit Menschen aufgrund von Sicherheitsbedenken und fehlenden regulatorischen Rahmenbedingungen noch eingeschränkt.
  • Resilienz in der Lieferkette: Die Abhängigkeit von außereuropäischen Herstellern (vor allem aus den USA und China) erfordert eine kritische Prüfung, um langfristige Souveränität durch europäische Komponenten zu fördern.

4. Zukunftsausblick: Robots-as-a-Service (RaaS)

Es ist absehbar, dass sich innovative Geschäftsmodelle wie Robots-as-a-Service etablieren werden. Angesichts der Komplexität humanoider Roboter werden Service-Anbieter eine zentrale Rolle einnehmen, um den Einstieg für Unternehmen wirtschaftlich tragbar zu gestalten.


Fazit: Schnelligkeit als Erfolgsfaktor

Humanoide Roboter werden den Wettbewerb im Industrie- und Dienstleistungssektor massiv verändern. Für Unternehmen ist es entscheidend, nicht erst bei der vollständigen Marktreife zu reagieren, sondern bereits jetzt die technischen und regulatorischen Voraussetzungen zu schaffen, um nicht den Anschluss an globale Vorreiter zu verlieren.


Quelle: EY Analyse: Einsatz humanoider Roboter in Industrie und Services